Vorwort

Das hier ist kein Weltumsegler-Buch. Schon deshalb nicht, weil ich meine geplante und angefangene Weltumseglung abbrechen musste und mein Jugendtraum wie eine Seifenblase zerplatzte. Und doch durfte ich viele Jahre, mit allen wachen Sinnen, schön, weniger schön und spektakulär daran teilhaben. Alles über Weltumseglungen habe ich, immer wieder, gelesen was Weitgereiste zu Paper gebracht haben. Ich kenne sie alle: Joshua Slocum mit seiner legendären SPRAY, Bernhard Moitessier mit SNARK, MARIE-THERESE I+ II, JOSHUA + TAMARA, Hannes Lindemann mit seinen LIBERIA I bis IV, Hans-Jürgen Koch mit KAIROS, Burghard PIESKE mit seinem selbstgebauten Katamaran SHANGRI-LA, Rudolf Wagner mit seinem Minikatamaran HOBBY, Rollo Gebhard mit seinen vier SOLVEIG, Bobby Schenk mit THALASSA, Wolfgang Hausner mit seinen Hochseekatamaranen TABOO I, II + III, Albert Falko auf der CALYPSO, mit Eigner Jaques-Yves Cousteau, Beate und Peter Kammler auf der MANUA KEA, Klaus Hympendahl auf seiner stolzen AFRICAN QUEEN, Jeff Macinnis + Wade Rowland auf RECEPTION, Gudrun Calligaro mit MÄDCHEN, Albert Schaefer auf SARIMANOK, David Levis mit ICE BIRD, Wilfried Erdmann mit KATHENA, Hans Hass auf dem Tauchschiff XARIFA, Tristan Jones mit BARBARA, Joachim Schult auf CORMORAN, Hugo Wehner mit herrlichen Geschichten auf TAGEDIEB + TAUGENICHTS, Robbin lee Graham, vom jüngsten Weltumsegler mit 16 Jahren, mit seiner TAUBE, Susanne Zeller mit SARAS, Irenäus Eibl-Eibesfeld mit Taucherlebnissen auf der Xarifa, natürlich Heide Wilts mit FREYDIS, und auch Bücher von Karl Vettermann habe ich verschlungen und mehrfach gelesen. Ich habe akribisch versucht, zwischen den Zeilen zu lesen und jeden, zu Papier gebrachten Satz zu analisieren. Es fiel mir nicht schwer, Ihren Freiheitsdrang, ihr Fernweh, ihre Vorfreuden, Zweifel, Bedenken und Ängste mit zu empfinden; ich war im Geiste mit ihnen an Bord und konnte mich mit ihren erfüllten Wünschen und Träumen wie fernbeseelt, erfreuen.

Warum sitze ich jetzt aber hier und schreibe ? Will ich gestandenen Seglern meine Geschichtchen aufdrängen ? Nein, ich wende mich der großen Zahl von Männern zu all denen zu, jeder Herkunft, Alter und Standes, auch irgendwann mal von der großen Freiheit auf See, vom eigenen Schiff, fernen Ländern mit anderen Kulturen und einfachen Menschen, vom Kurzweil in einer tropischen Ankerbucht geträumt haben oder gerade jetzt eine unbändige Sehnsucht und Fernweh in ihrem Innersten verspüren. Mal nicht am Leben vorbeileben, mit konsequentem Verzicht auf allem, heute so selbstverständlichem Konsum. In Demut, Hochachtung und Respekt die von unserem Herrgott geschaffene Natur, in seiner ursprünglichen Natürlichkeit, sehen, fühlen, riechen, schmecken und erleben dürfen. Niemand hat diese realistischen Gefühle oder auch gefühlte Realität so hoch sensibel und ehrlich dargelegt, wie Rudolf Wagner, und ich mir erlaube, dies hier nochmals aufzuzeichnen: "Es ist ein großes Glück, das eigene Selbst als Teil dieser Welt zu erkennen und das fühlbare, ja greifbare Wissen, in ihr zu leben. Je mehr die heutigen Lebensbedingungen uns krank machen, der vermeintliche Fortschritt uns blendet, je schneller unser kurzes Leben durch die paar Jahre gerissen wird, wir taub und blind werden unter tausendfältiger Ablenkung von außen, die eigenen Gedanken verkümmern, wir nachplappern und tun, was uns andere aus geschäftlichen oder sonst welchen Gründen einreden, die Hoffnung auf Entspannung sich von einem Wochenende zum nächsten weiterhangeln und es dann doch keine Entspannung gibt, je sinnloser die Jagd nach Geld wird, das dann andere abschöpfen- um so öfter werden sich Menschen herausreißen wollen und auf die Suche nach dem verlorenen Ich gehen. Hier, wo sich drei Erdteile gleichweit gegenüberstehen, wird das Ich wieder fixierbar, greifbar. Leben wird wider erlebbar. Jeder drohende Wolkenschatten, der vorüberzieht, stärkt das Wissen um dieses Leben, das einem Überleben gleichkommt, dem Bewusstsein, mit jedem Sonnenaufgang nicht nur einen neuen Sonnentag, sondern auch einen neuen Lebenstag geschenkt bekommen zu haben."

Ich zeige mit meinen geschilderten Erlebnissen denjenigen auf, wie man, auch in der heutigen schnelllebigen Zeit, seinen Traum erfüllen kann, nicht erfüllen soll und nicht erfüllen wird. Ich zeige auf, was alles passieren kann. Auf was alles zu achten ist. Wie leicht, oder aber auch wie schwer es ist, den ersten Schritt wirklich zu wagen, noch besser: wie man Schritt für Schritt vorgehen sollte, um eventuell nicht nach vorne durchzufallen, sondern mit erhobenen Hauptes zurückzutreten kann. Wenn man mehrere Jahre, auf Großer Fahrt, an Bord eines Segelschiffes gelebt hat, hat man zahlreiche Begegnungen mit Menschen, die sich mit ihrer Lebensgeschichte und Existenz geoutet haben. Ich habe lange nach einem Schiff gesucht, was meinen Bedürfnissen entsprach. Ich fand es nicht, oder es war einfach unerschwinglich; und außerdem hätte ich an ihm sowieso unendlich viel modifiziert. Mir war schnell klar, dass ich mein Schiff selbst bauen muss. Dies Buch ist also auch ein Lehrbuch für "Möchtegern-Katamaranbauer", denn ich bringe alle meine Gedanken, Planungen, Bauanleitungen, Pannen, Enttäuschungen mit kooperativen Helfern, meinen beglückenden Gefühlen nach jedem geglückten Bauabschnitt, wie auch meine Deutschen Patente zu Papier.

Der Leser erlebt hautnahe mit, wie ich meinen Hochseekatamaran CARPE TEMPORA (nutze die Zeit) akribisch plane, selbst baue, mit ihm wegen der unheilbaren Seekrankheit meiner Lebensgefährtin, fast "einhand" bis in die Karibik segelte. Auch zeige ich auf, auf was ein Eigner alles achten muß, wenn er im Ausland sein Schiff verkaufen will, wie es einem ergehen kann, wenn man an einen ausgefuchsten und unseriösen Käufer gerät und was es bedeutet, wenn der neue Eigner, mit Hilfe von Rechtsanwälten, die "mit allen Wassern gewaschen sind" und der so genannten Deutschen Gerichtsbarkeit, einen Zivilprozess verliert und man finanziell ruiniert wird.

Ich schreibe dies Buch auch, weil ich mich, trotz meiner zwei Herzinfarkten und einem Schlaganfall auf See, zwanzig Jahre jünger fühle, als ich bin. Auch weil mich das Jagen im Bayerischen Wald und der Hochsitzbau mich nicht genug ausfüllt. Auch das Training mit meinen Fußballbuben im örtlichen Dorfverein, belastet mich physisch nicht ausreichend. Das Philosophieren mit meinen drei erwachsenen Söhnen, scheitert an der weiten Entfernung nach Norddeutschland. So schreib ich meine Erinnerungen, an mein wild-belebtes Dasein auf; vielleicht findet ja meine kleine Enkelin Yunalesca Interesse an Opas Memoranden.

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